Adventskalender 2023

Rezension: Der Cocktailmörderclub von Colleen Cambridge

Bei Der Cocktailmörderclub von Colleen Cambridge handelt es sich um den zweiten Band der Phyllida Bright (Agatha Christies Haushälterin ermittelt)-Reihe. Es bietet sich auf jeden Fall an, den vorherigen Band gelesen zu haben, da man dann die Figurenkonstellationen etwas besser nachvollziehen kann und auch Phyllidas Stellung im Haushalt und im Dorf etwas besser versteht. Die Fälle sind aber eigentlich in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.

Wer ein großer Agatha Christie (oder Dorothy Sayers oder G. K. Chesterton oder Anthony Berkeley)-Fan ist, wird hier möglicherweise enttäuscht, denn die Kriminalautor:innen tragen praktisch nichts zu Lösung des Falles bei und kommen auch verhältnismäßig selten vor. Natürlich spricht Christie immer mal wieder mit ihrer Freundin Phyllida, aber sie selbst trägt nicht viel zur Handlung oder zur Auflösung des Falles bei, was ich ehrlich gesagt etwas schade fand und was den ein oder anderen Leser/-in enttäuschen könnte.

Was ich hingegen sehr mochte, war Phyllidas Ermittlungsarbeit. Sie muss zwar nebenbei die Spenden-Veranstaltungen organisieren und dafür sorgen, dass der Ablauf reibungslos funktioniert und natürlich muss auch der Ablauf im Herrenhaus funktionieren, obwohl einige der Angestellten bei der Spenden-Veranstaltungen sind, aber sie nimmt sich wirklich viel Zeit für ihre Ermittlungen. Ich mag es ja, wenn diese nicht nur stiefmütterlich behandelt werden, sondern etwas ausführlicher geschildert werden.

Außerdem kommen in diesem Krimi Hunde und Katzen vor. Freunde dieser Tiere kommen durchaus auf ihre Kosten, aber wie ich es in der Inhaltsangabe schon erwähnt habe, stirbt auch ein Tier. Das sollte man im Hinterkopf haben, falls einem so etwas nahe geht.

Was mich ebenfalls gestört hat, waren die Kabbeleien zwischen Phyllida und dem Chauffeur, Bradford, der Familie. Ich muss sagen, dass Phyllida überhaupt kein Interesse an Männern zu haben scheint, aber sowohl der örtliche Arzt, Dr. Bhatt, als auch der Chauffeur scheinen Interesse an ihr zu haben und ich mag Dreiecksbeziehungen nicht; zumal das alles so vage gehalten wird, was ich nicht sonderlich mag. Ich fände es schön, wenn eine starke Frau einfach ihren eigenen Weg gehen kann ohne direkt Interesse an einem (oder mehreren Männern) zu entwickeln.

Ein weiterer Punkt ist, dass Bradford ihr zwar bei den Ermittlungen hilft, sich aber immer wieder davon distanziert und meint, dass er damit ja nichts zu tun habe, man aber gleichzeitig merkt, dass ihm die Ermittlungen auch selbst Spaß machen.

Außerdem fehlen immer noch sehr viele Informationen über die Figuren. Wir wissen auch nach zwei Bänden nichts über Phyllida (es ist ja in Ordnung, wenn andere Figuren nichts erfahren, aber wir als Leser:innen erfahren auch nichts, was sehr schade ist) oder Bradford (obwohl man ahnt, dass er wahrscheinlich weiß wie man Ermittlungen führt und es mich nicht überraschen würde, wenn herauskäme, dass er im Krieg als eine Art Spion oder später bei der Polizei gearbeitet hätte). Ich würde einfach gerne ein paar Infos zu den wichtigen, handlungstragenden Figuren erhalten.

Alles in allem hat mir Der Cocktailmörderclub von Colleen Cambridge aber sehr gut gefallen. Ich finde Phyllida meistens ganz in Ordnung, weil ich einfach nicht genug über sie weiß, um sie als Figur wirklich zu mögen. Ich mag aber ihre Ermittlungsarbeit. Der Fall selbst ist sehr verworren und scheint mir an einigen Stellen künstlich verkompliziert worden zu sein, ist aber interessant und abwechslungsreich. Insgesamt handelt es sich um einen guten zweiten Band dieser Krimi-Reihe um Agatha Christies Haushälterin.

 

 

 

Danke an Lübbe für das Rezensionsexemplar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert