Kleine Wunder um Mitternacht von K. Higashino

Rezension: Kleine Wunder um Mitternacht von Keigo Higashino

Der Roman Kleine Wunder um Mitternacht von Keigo Higashino vereint die unterschiedlichsten Leben, Geschichten, Figuren und zeigt wie wertvoll ein Ratschlag, der von Herzen kommt, in einer schweren Stunde sein kann.

Atsuya, Kohei und Shota sind eigentlich nicht sympathischsten Zeitgenossen und dennoch mochte ich sie von Anfang an. Sie sind Kleinkriminelle, leben am Existenzminimum und machen nichts aus sich oder ihrem Leben und gerade deshalb entpuppen sie sich als drei einfühlsame Ratgeber. Sie regen sich zu Anfang sehr über die Ratsuchenden auf, weil diese nicht tun, was sie ihnen raten oder sie tun sogar das genaue Gegenteil von dem, was sie den Leuten geraten haben, aber mit der Zeit merken sie immer mehr wie schön es ist, wenn man gebraucht und um Rat gebeten wird. Sie lernen den Ratsuchenden zuzuhören und gehen auf deren Probleme ein; wenngleich ihre Methode den Menschen einen Rat zu suchen unkonventionell bleibt.

Die Geschichte hat etwas magisches, zumal sie auch ein übernatürliches Element hat. Die Briefe werden in der Vergangenheit in den Schlitz im Rollladen geworfen und landen bei den drei Einbrechern in der Zukunft. Legen diese ihre Antwort in den Milchkasten, erhält ihn der Ratsuchende aus der Vergangenheit. Als Atsuya einen leeren Brief durch den Schlitz wirft, findet dieser seinen Weg in die Vergangenheit zu Herrn Namiya, der diesen leeren Zettel genauso ernst, wenn nicht sogar noch ernster, nimmt wie alle anderen.

Dass immer mehr Menschen, die sich an Namiya Gemischtwaren wenden, eine Verbindung zum Kinderheim Marukoen haben, wird während des Romans mit jeder Seite offensichtlicher. Hier wäre ein erneuter Lesedurchgang sicherlich sinnvoll, damit man die ganzen Verbindungen der Figuren untereinander und auch zu Marukoen besser überblickt. Man kann sich also Leserin also denken, dass auch hier noch ein übernatürliches Element seine bzw. eigentlich sogar ihre Finger im Spiel haben muss.

Ich fand es unglaublich toll, dass die Figuren, die voneinander teilweise nicht einmal wussten, dass sie existieren oder zumindest nicht wissen, dass sich jeder und jede Einzelne von ihnen an Herrn Namiya gewendet hat um diesen um Rat zu bitten, alle eine Verbindung haben, sich untereinander kennen. Manche bitten Herrn Namiya um Rat, nachdem sie in Marukoen waren, andere bitten ihn um Rat und kommen dann erst später auf beinahe gespenstische Art und Weise ins Kinderheim. Über alle Figuren, egal wie unterschiedlich ihre Biographien, ihre Probleme sind, scheint jemand zu wachen und mit dem Finger auf die Lösung zu weisen.

Hinzu kommt auch noch, dass man sich natürlich freut, wenn man Figuren aus vergangenen Geschichten noch einmal wieder sieht, wenn man erfährt, dass für sie alles gut ausgegangen ist, nachdem man mit ihnen mitgefiebert hat oder warum eben nicht alles gut ausgehen konnte und dass das dann vielleicht trotzdem in Ordnung so ist. Das Buch vermittelt eine unglaublich wichtige Eigenschaft: Akzeptanz. Gerade auch weil die Geschichte Elemente aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart miteinander verwebt.

Kleine Wunder um Mitternacht von Keigo Higashino berührt auf vielfältige Weise. Ich musste an der ein oder anderen Stelle schmunzeln, habe geweint, mitgefiebert und mich gefragt wie die Entscheidung wohl ausfällt und natürlich habe ich gehofft, dass jede Ratsuchende das bekommt, was sie sich wünscht. Vor allem das Ende hat mich sehr berührt, auch weil es nicht so geendet hat, wie ich erwartet hatte.

Das Cover des Buches ist wunderschön. Der Zweig mit den Blüten passt gut zum Ambiente des Buches, wenngleich er nicht direkt etwas mit dem Inhalt zu tun hat. Mir hat aber vor allem das metallisch glänzende Blau des Hintergrundes gefallen.

Eine Sache ist mir noch aufgefallen und vielleicht sehe ich Gespenster: Aber ich erkenne Anspielungen auf Detektiv Conan. Zum einen werden die Stadtteile bzw. Bezirke Tokios erwähnt, die ich als Detektiv Conan-Namen kenne (Aoyama und Edogawa), eine der Figuren nennt sich Shinichi Fujikawa (Shinichi von Shinkansen und Fujikawa von dem Autobahnrastplatz an dem er weggelaufen ist). Vielleicht ist Shinichi ein ganz alltäglicher Name in Japan, aber ich fand den Zufall, dass gerade der Jugendliche, der nicht möchte, dass irgendwer hinter seine wahre Identität kommt sich Shinichi nennt, sehr groß. Ich weiß zwar nicht, ob es stimmt, aber hier könnte man durchaus eine Anspielung an Detektiv Conan erkennen und ich gehe mal davon aus, dass der Stoff des bekannten und schon etwas älteren Mangas (und Animes) in Japan sehr bekannt ist.

Alles in allem hat mir Kleine Wunder um Mitternacht von Keigo Higashino unglaublich gut gefallen. Ich mochte die Atmosphäre, die Figuren, die Geschichte und die Botschaft und kann den Roman wirklich jedem ans Herz legen.

 

 

 

Ich habe Kleine Wunder um Mitternacht von Keigo Higashino im Rahmen einer Bloggeraktion gelesen, und dazu auch ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Danke dafür!

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