Agatha Christie-Kurzgeschichten

Die spanische Truhe von Agatha Christie

In der Geschichte Die spanische Truhe von Agatha Christie ermittelt Poirot um herauszufinden, ob Mr. Clayton tatsächlich von seinem Freund Major Charles Rich ermordet wurde, denn Poirot wird von der Frau des Ermordeten zu dem Fall zugezogen, da sie nicht glauben kann, dass ihr Freund und ihre vermeintliche Affäre Charles der Mörder sein soll. Poirot wird also in das Haus einer Freundin von Mrs. Clayton bestellt und trifft sich dort mit dieser. Er ist sich nicht sicher, was er von dieser sehr naiv und kindlich wirkenden Frau halten soll und so beschließt er sich sein eigenes Bild zu machen: Dazu befragt er alle bei der Party Anwesenden: Mr und Mrs. Spence und Commander McLaren, außerdem spricht er mit der Polizei und den Anwälten von Rich und schließlich auch mit ihm. Abschließend geht er zu Burgess, dem Diener von Rich, denn dieser ist der zweite Tatverdächtige, wobei Rich in Untersuchungshaft sitzt. Poirot findet heraus, dass Mr. Clayton am Abend der Party eigentlich nach Schottland reisten musste, aber zuvor noch einen Drink und eine kleine Mahlzeit mit McLaren einnimmt und dann zu Rich fährt um diesem eine Nachricht zu hinterlassen. Rich ist nicht zuhause, dafür aber der Diener, der nicht hört wie Clayton wieder geht. Am nächsten Morgen wird der erstochene Mr. Clayton in einer spanischen Truhe aufgefunden. Diese Truhe steht im gleichen Raum, in dem am Abend zuvor die Party stattgefunden hat. Vor der Party hätten also nur der Diener und Major Rich die Tat verüben können, denn nur sie hatten Zugang zur Wohnung. Doch wenn beide ihre Unschuld beteuern. Wer ist dann der Täter?

Tatsächlich ist die Geschichte von Poirot um Die spanische Truhe recht lang, sodass sehr viel passiert. Für mich war es sehr verwirrend wie er von einem Zeugen zum nächsten ist um alle zu befragen, was gar nicht mal so sehr an der Anzahl der Zeugen liegt. Es sind schließlich nur drei direkte Zeugen und seine Auftraggeberin, aber da waren eben auch noch die Anwälte, der Diener, die Polizei und der Verhaftete. Viel schwierig war es herauszudestillieren welcher Zeuge genau was ausgesagt hat.

Ich fand das an dieser Stelle sehr beeindruckend wie Poirot im Fall der spanischen Truhe ermittelt hat. Er bekommt die Aussagen von allen Augenzeugen bzw. Zeugen, die am Abend vor der Entdeckung der Leiche mit dem Täter Zeit verbracht haben und sie sagen alle leicht unterschiedliche Dinge aus. Poirot muss nun entscheiden, was die jeweiligen Zeugen nur hinzugedichtet haben und muss den Rest in ein stimmiges Bild bringen. Das ist eine total interessante Sache und ich finde Christie hat sich hier mal wieder selbst übertroffen.

Auch für den Leser ist ziemlich schnell klar, dass einer der beiden, die zur mutmaßlichen Tatzeit im Haus waren, der Täter sein muss. Zum einen ist da der dringend Tatverdächtige Major Rich und zum anderen sein Diener Burgess. Einer von beiden muss es eigentlich gewesen sein, doch sie beteuern beide ihre Unschuld und da Poirot erst am Ende zum Diener geht um sich auch den Schauplatz des Verbrechens einmal genauer anzusehen, rechnet der Leser ständig damit, dass Poirot am Ende dann den Diener überführen wird, aber dem ist nicht so. Am Ende scheint Poirot genauso ratlos wie der Leser bis ihm noch eine andere Möglichkeit zum Tathergang einfällt. Danach folgt dann recht rasch die Auflösung.

Abgesehen von den Zeugenaussagen bleibt dem Detektiv aber nicht sonderlich viel um den Täter zu ermitteln, denn es gibt keine Fingerabdrücke, keine Faserspuren und keine DNS-Spuren. Natürlich liegt das wohl auch mit daran, dass das zum einen gar nicht zu Christies Stil passt aber zum anderen liegt es auch daran, dass es viele dieser Dinge in der heutigen Form damals noch gar nicht gab. Die DNA-Analyse wird beispielsweise erst seit den 1980er Jahren überhaupt als Beweis zugelassen. Wieso sollte Christie also diese Dinge in ihren Krimis erwähnen, wenn Christie in den späten 70er Jahren bereits verstarb.

Ich persönlich finde gerade dieses ermittelnde Element in den Christie-Krimis immer sehr schön und hier ist die Befragung eben dieses Element. Anhand der Informationen aus den Befragungen manche Aussagen oder Teilaussagen ausschließen zu müssen und die Wahrheit am Ende herauszufinden, dies macht Die spanische Truhe von Agatha Christie zu einer Geschichte, die ich jedem Krimi-Fan gerne weiterempfehle.

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Rezension: Zarengold von Michael Kibler

Auch der zweite Kriminalroman in der Horndeich-Hesgart-Reihe Zarengold von Michael Kibler wartet mit einer zweiten spannenden Geschichte auf. Horndeich ist mit seiner Anna gerade im Urlaub und so scheinen die beiden eine ziemlich feste Beziehung zu führen, dennoch gibt es auch bei den beiden einige kleinere Schwierigkeiten, denn Anna ist genervt davon, dass Steffen nicht so viel mit ihr unterwegs sein möchte, und gleichzeitig vermisst sie ihn auch, wenn er unterwegs ist. Margot und Rainer scheinen eigentlich glücklich zu sein doch dann wird ein großes Problem der beiden deutlich: Rainer kann nicht offen und ehrlich mit Margot über seine Gefühle und Probleme sprechen. Er will sie raushalten, aber das funktioniert in einer richtigen Beziehung eben nicht. Manchmal hat man den Eindruck, dass Rainer und auch Margot nur solche schwierigen Charaktere haben, damit der Autor für das Privatleben seiner Kommissare was zu erzählen hat. Das ist jetzt auf keinen Fall böse gemeint, denn schließlich braucht es auch für die Hintergrundgeschichten der Kommissare Handlung.

Auch die Geschichte um den Mord an Mila Gontscharowa war recht interessant, wenngleich ich sie teilweise recht langatmig fand. Das lag vermutlich hauptsächlich daran, dass über Mila noch nicht so viel bekannt ist und dass der zweite Todesfall eigentlich schon der an Mila ist. Oft hat man in solchen Krimis ja ein zweites oder sogar drittes Mordopfer, damit die Kommissare nicht die ganze Zeit auf der Stelle treten und neue Informationen ans Tageslicht kommen und natürlich auch dafür, dass der Leser sich nicht langweilt. Diese Möglichkeit gibt es hier nicht, weil der erste Mord einfach so früh geschieht, dass er nur noch in einer Rückblende beschrieben wird. Das führt dann natürlich direkt dazu, dass der zweite Mord sehr weit ausgeweitet wird und auf die Dauer recht langweilig wird. Vor allem da man das Gefühl hat, dass die Ermittler keine wirklich Ermittlungserfolge einfahren können. Man findet hier mal einen Hinweis und dort mal einen Tatverdächtigen, aber so richtig kommt man nicht weiter. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass man relativ lange braucht als Leser bis man einen Verdacht hat, wer der Mörder sein könnte.

Besonders gut hat mir auch hier wieder die Beschreibung der Stadt gefallen. Ich finde die Katakomben, die eigentlich keine Katakomben, sondern Bierkühlkeller waren, ziemlich spannend und die Beschreibungen des Autors verleihen selbst dem Leser, der sich nicht so genau mit diesen Kellern auskennt – was wohl viele sein werden, darunter auch ich, wenngleich ich von den Katakomben schon einmal gehört habe – ein eigenes Leben. Die Kühlkeller spielen in der Darmstädter Stadtgeschichte eine entscheidende Rolle, und auch die Geschichte um die Russische Kapelle auf der Mathildenhöhe und die Geschichte um die Großherzogenfamilie diesen Kriminalroman noch einmal aufwerten.

Insgesamt kann ich Zarengold von Michael Kibler vor allem aus stadtgeschichtlicher Perspektive weiterempfehlen, wobei die Geschichte um die Kommissare herum eher schwach ausfällt, aber die Auflösung des Falles hat vieles wieder gut gemacht.

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Inhaltsangabe: Küss weiter, Liebling! Von Rachel Gibson

In dem Liebesroman Küss weiter, Liebling! Von Rachel Gibson findet Adele Harris, die letzte der vier befreundeten Autorinnen, endlich ihren Mann. Adele lebt mit ihren Freundinnen in Boise doch was Männer angeht, hat sie nicht annähernd so viel Glück wie sie. Sie scheint verflucht zu sein denn sie datet immer nur Trottel, spätestens nach dem Date bei der Verabschiedung verwandelt sich der Mann immer in einen Idioten. Als sie eines Tages den Anruf ihrer schwangeren Schwester Sherilyn bekommt, fällt Adele aus allen Wolken. Der Mann ihrer eigentlich perfekten Schwester hat sie für seine Assistentin verlassen. Nun möchte Sherilyn mit der gemeinsamen Tochter Kendra zurück in ihr Heimatstädtchen ziehen, aber sie braucht die Unterstützung ihrer Schwester. Und so packt Adele ihre Sachen und zieht mit Sherilyn und Kendra zurück nachhause.

Bei Sherilyn gibt es Komplikationen und so muss Adele noch länger bleiben und sich um Kendra kümmern, während ihre Schwester im Krankenhaus liegt. In der Abgeschiedenheit versucht sie zu schreiben, sich um Kendra, die sie kaum kennt, zu kümmern und ihrem Ex-Freund Zach aus dem Weg zu gehen.

Zachs Ehefrau ist vor drei Jahren bei einem Autounfall gestorben, obwohl sie schon vorher nicht die ideale Ehe geführt haben. Er war zuvor ein bekannte Footballspieler, lebt aber nun mit seiner Tochter in der Heimatstadt seiner Frau, da diese dort zuvor schon mit Tiffany lebte und er sie nicht aus ihrem bekannten Umfeld reißen wollte. Er trainiert dort die Highschool-Football-Mannschaft. Auf dem College war er ein paar kurze Wochen mit Adele zusammen, doch als Devon ihm mitteilte, dass sie schwanger ist, heiratete er sie. Später hat sie ihm gestanden, dass sie die Schwangerschaft absichtlich herbeigeführt hat, damit er sie heiratet und obwohl sie in ihrer Ehe nie wirklich glücklich waren, möchte er es Tiffany nicht antun, sich auf eine andere Frau einzulassen.

Als er Adele wieder trifft sind seine alten Gefühle wieder da und die beiden verbringen nicht nur viel Zeit, weil Kendra und Tiffany miteinander befreundet sind, sondern auch weil sie sich gerne haben und die Zeit miteinander genießen. Komischerweise scheint der Fluch bei Zach nicht zu wirken und so beginnen die beiden sogar eine oberflächliche Beziehung bis Adele erfährt, dass sie schwanger ist und Zach ihr nicht glaubt, dass sie das nicht wollte. Kann irgendetwas oder irgendwer die beiden Zerstrittenen wieder zusammenführen?

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Rezension: Küss weiter, Liebling! Von Rachel Gibson

Dieser Roman ist der vierte Band der Girlfriend-/Autorinnen-Reihe, somit bildet er den Abschluss der vierbändigen Reihe und sollte eigentlich auch noch ein paar der anderen Geschichten abschließen. Dies war hier so überhaupt nicht der Fall. Der Roman ist auch im Verhältnis zu den anderen drei Romanen relativ kurz (Band 1-3 haben jeweils etwa 320 Seiten und Band 4 288 Seiten).

Auch kommen hier die drei Freundinnen praktisch gar nicht vor, weil der Roman ja hauptsächlich gar nicht in Boise spielt und Adele sogar so weit weg ist, dass sie sich auch überhaupt nicht mal zwischendurch mit ihren Freundinnen treffen kann. Leider versucht sie auch nicht auf andere Weise mit ihren Freundinnen in Kontakt zu treten (im ersten Band war es, glaube ich, als die Protagonistin mit ihren Freundinnen auch per Mail in Kontakt stand). Auf diese Weise steht der Roman ziemlich alleine da und hat wenig Chance den voran gegangenen Band irgendwie abzuschließen.

Abgesehen davon finde ich die vier Autorinnen irgendwie farblos. Nachdem ich jetzt die ganze Reihe – die mir nichtsdestotrotz großen Spaß gemacht hat – gelesen habe, ist mir extrem aufgefallen wie absolut austauschbar die Charaktere bei Rachel Gibson sind. Es klingt doof, weil ich sie dennoch zu meinen Lieblingsautorinnen rechne, weil man eben genau weiß was man bekommt, aber das hat den Nachteil: Kennt man einen, kennt man alle. Die männlichen und auch die weiblichen Hauptcharaktere sind absolut austauschbar. Sie haben nichts besonderes, außer vielleicht die individuelle Geschichte, die dennoch zum gleichen führt: Ein Streit kurz vor Schluss. Es ist vollkommen egal welche Geschichte die Frauen haben und auch bei den Männern muss man aufpassen, dass man nicht durcheinanderkommt. Ich habe den Roman mit einigen Unterbrechungen gelesen und so musste ich immer gucken, dass ich mich richtig an die Charaktere erinnere und sie nicht mit anderen Männern bzw. Frauen aus anderen Romanen der Autorin verwechsele, weil sie einfach so unglaublich verwechselbar sind.

Abgesehen von den beschaulichen Lesestunden, die ich mit dem Buch hatte, hat dieser Roman aber leider nichts zu bieten. Obwohl ich Rachel Gibson als Autorin sehr schätze, war ich doch enttäuscht von diesem Reihenabschluss, weil man davon einfach nichts merkt. Man hatte beinahe den Eindruck, dass hier noch 40 Seiten fehlen und Gibson einfach ihrer Deadline zu nahe kam. So nach dem Motto: Okay, die Deadline ist übermorgen, ich schreibe jetzt noch 10 Seiten, um das Ding fertig zu machen auch wenn ich noch 50 Seiten bräuchte, um die Reihe abzuschließen.

Leider bleibt man als Leser(in) genau mit diesem Gefühl zurück. Man wünscht sich, die Freundinnen, die man in der Reihe gewonnen hat, noch einmal zu sehen, dass man sich vernünftig von ihnen verabschieden kann. Stattdessen tauchen sie auf ca. 10 Seiten auf, sagen dort Sachen, die einfach nur nervig sind und verschwinden dann kleinlaut als Adeles Zach vor der Tür steht. So bekommen sie einen absolut farblosen Abgang und einzig Maddie tut sich durch ihre ständige Angst, es mit einem Irren zu tun zu haben hervor. Davon abgesehen könnte man die Namen, Aussagen und Verhaltensweisen leider einfach austauschen. Nun genug der negativen Worte: Leider hat mir Küss weiter, Liebling! Von Rachel Gibson nicht so richtig gut gefallen und ich habe bisher noch nicht mal etwas über das Cover und den deutschen Titel geschrieben… Von mir gibt es für diesen Reihenabschluss leider keine Empfehlung.

Montagsfragen

Montagsfrage: 05. August 2019

Montagsfrage: Kann man Rezensionsexemplare objektiv beurteilen?

Hallo ihr Lieben,

diese Woche fragt Antonia danach, ob man Rezensionsexemplare objektiv beurteilen kann oder nicht. Die Frage finde ich ganz toll, weil ich tatsächlich gerade ein Rezensionsexemplar da habe und die Rezension bald schreiben werde (seid gespannt!). Ich denke, dass es nicht einfach ist, ein Rezensionexemplar wirklich fair zu beurteilen, weil man sich schwer tut wirklich eine negative Kritik zu schreiben (und dann gibt es ja auch noch die Möglichkeit dem Verlag zu schreiben, dass man das Buch überhaupt nicht mochte) aber man auf der anderen Seite auch unglaubwürdig wirkt, wenn man ein Buch in den Himmel lobt, obwohl es jeder schrecklich findet; vor allem wenn dann rauskommt, dass man das Buch als Rezensionsexemplar bekommen hat. Ich versuche bei Rezensionsexemplaren immer darauf zu achten, dass ich erkläre warum mir etwas nicht gefällt, dann kann sowohl der Verlag als auch der geneigte Leser selbst entscheiden, wie er sich dazu positioniert. Häufig frage ich Bücher als Rezensionsexemplare an, bei denen ich relativ sicher bin, dass sie mir gefallen werden, sodass ich dann auch nicht in die Bredouille gerate, dem Verlag das erklären zu müssen. Aber natürlich kann es dennoch mal vorkommen, dass mir ein Buch nicht gefällt. Und: Wenn ich ein Buch als Rezensionsexemplar bezogen habe, kennzeichne ich dies, indem ich dem Verlag unten für das Rezensionsexemplar danke, sodass dann auch ersichtlich ist, dass ich das Buch für die Rezension zur Verfügung gestellt bekommen habe. Wie steht ihr dazu? Bewertet ihr Rezensionsexemplare objektiv?

Liebe Grüße
Vanessa

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Solipsismus

Dass ich dieses Substantiv aus der Philosophie und damit aus der Universität kenne, dürfte recht klar sein. Ich konnte am Anfang damit nicht so wirklich etwas anfangen, sodass ich mich entschloss es mir zu notieren und es einmal nachzuschlagen. Im Solipsismus geht es darum, dass jemand davon ausgeht, dass es nur das eigene Ich gibt und sonst nichts existiert. Gleichzeitig geht der Solipsismus davon aus, dass es damit unmöglich ist etwas außerhalb des eigenen Ichs zu erforschen. Wikipedia schreibt, dass es verschiedene Arten von Solipsismus gibt, darunter der metaphysische, methodologische, ethische oder epistemologische Solipsismus.

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Inhaltsangabe: Ruf der Wildnis/ The Call of the wild von Jack London

In dem Roman Ruf der Wildnis von Jack London geht es um einen Hund Buck, der aus seinem beschaulichen, sonnigen Zuhause entführt wird. Zuhause hat er ein ruhiges schönes Leben geführt, doch als er entführt wird, muss er mit vielen Unwegsamkeiten und der schrecklichen Welt klarkommen. Buck wird verkauft und muss fortan in Alaska als Schlittenhund arbeiten, obwohl er kein Husky ist. Buck hat einen starken Charakter und beißt sich im wahrsten Sinne des Wortes durch. Er legt sich mit einem anderen Schlittenhund, der bisher der Anführer war, an. Außerdem muss er damit klarkommen, dass er geschlagen wird, und damit dass er von den Menschen wie Dreck behandelt wird. So werden die Hunde bis zur Erschöpfung getrieben und müssen teilweise mit sehr wenig Nahrung auskommen. Als sie Lieferungen fahren, werden ihnen immer wieder Pausen versprochen, die die Hundeführer nicht einhalten können, da sie schon wieder losmüssen. Buck wird dann weiterverkauft an ein Dreigespann, wo sie hart arbeiten müssen. Die Frau, die mit den beiden Männern unterwegs ist, lässt sich immer fahren, was die Hunde nicht aushalten, sie zickt herum. Die drei schaffen es nicht den Schlitten vernünftig zu laden, sodass die Last ungleich verteilt ist und die Ladung mehr als einmal zu Boden fällt. So wird Buck immer weiter gereicht bis er am Ende bei einem Mann, John Thornton, landet, der ihn wirklich gut behandelt. Buck ist halbtot und wird von diesem Mann sehr gut behandelt, sodass er sich schnell von den vorherigen Strapazen erholen kann. John kümmert sich um ihn und so werden die beiden ein Team bis John eines Tages ermordet wird. Buck rächt sich an den Mördern, wird aber dadurch vollends von der Wildnis eingenommen.

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Rezension: Ruf der Wildnis von Jack London

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich den Roman auf Englisch so nach und nach gelesen habe, sodass ich leider zum Stil nicht so sonderlich viel sagen kann, aber an sich finde ich die Idee, einen Roman aus der Sicht eines Hundes zu schreiben, sehr interessant. Immer wieder bekommt man mit, was Buck denkt und fühlt, allerdings bleiben diese Beschreibungen sehr oberflächlich, wenn man aber bedenkt, wann der Roman geschrieben wurde, sind diese Beschreibungen umso bemerkenswerter. Ich fand es aber sehr grenzwertig wie brutal die Geschehnisse beschrieben wurden. Mir ist durchaus bewusst, dass die Entwicklung von Buck so besser herauskommt. Ich verstehe, dass Buck soweit getrieben werden muss, dass es notwendig ist, ihn mit Gewalt zu konfrontieren, damit klar wird, warum er sich so entwickeln konnte. Deshalb ist es mir durchaus bewusst, dass der Roman so gewalttätig sein musste, aber mir war er dennoch zu brutal. Ich fand es wirklich grausam was Buck alles zugestoßen ist und ich glaube, ich würde den Roman nicht noch einmal lesen.

Mir ist durchaus auch bewusst, warum der Roman so relevant ist, denn er hat ein neues Format, einen neuen Inhalt und macht damit Tierschutz und Tierinteressen bewusst. Von daher hat Ruf der Wildnis in diesem Kontext auf jeden Fall einen Wert, der hier erwähnt sein soll. Ich verstehe auch die Figurenentwicklung der Menschen nicht so richtig. Wie können Menschen so grausam sein und wie kann es so viele so grausame Menschen geben? Gerade darin lässt sich auch eine gewisse Gesellschaftskritik erkennen, die hier zumindest auch Erwähnung finden soll.

Insgesamt ist Ruf der Wildnis von Jack London ein sehr interessanter, wenngleich brutaler und blutrünstiger Roman, den ich zwar weiterempfehle, bei dem ich aber die dringende Warnung ausspreche, dass er nur etwas für Hartgesottene ist.

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Inhaltsangabe: Das unvollendete Bildnis von Agatha Christie

Der Kriminalroman Das unvollendete Bildnis von Agatha Christie heißt im Original Five little Pigs und ist wohl eine Anspielung auf einen Kinderreim, auf die Poirot im Buch auch immer wieder eingeht. Dennoch passt auch der deutsche Titel ganz gut zu dem Buch. In diesem Roman löst Poirot den Fall durch Befragung der Beteiligten lange nachdem sich der Fall eigentlich zugetragen hat. Interessant ist auch besonders die Erzähltechnik, die damit eng verbunden ist.

Nachdem Carla Lemarchants Mutter vor etwa 15 Jahren ihren Mann ermordet haben soll, wurde sie verhaftet, verurteilt und starb im Gefängnis. Da Carla damals noch sehr klein war, erinnert sie sich praktisch gar nicht an die damaligen Ereignisse, doch sie möchte vor ihrer Heirat endlich wissen, was genau geschehen ist.

Amyas Crale ist ein bekannter Maler und er malt gerne schöne, junge Frauen. Als er eines Tages die schöne Elsa Greer kennenlernt, scheint er sich in sie zu verlieben. Er redet ihr ein, dass er seine Frau, Caroline, verlässt. Elsa ist für einige Wochen bei ihrem Geliebten und dessen Frau eingezogen, damit er sie malen kann. Caroline ist die Affären ihres Mannes gewöhnt, als sie aber erfährt, dass ihre Mann Elsa angeblich liebt, plant sie einen Mord: Wie sich herausstellt, wollte sie sich wohl selbst umbringen, weshalb sie damals das Gift stahl. Da sie am Schauplatz des Mordes gesehen wurde, sich verdächtig benahm, ein Motiv hatte und das leere Giftfläschchen in ihrem Zimmer gefunden wird, wird sie verdächtigt.

Neben Elsa und Caroline und dem Opfer befanden sich aber auch noch vier weitere Menschen am Ort des Geschehens (von der kleinen Carla einmal abgesehen): Phillip Blake, ein geldgieriger Typ, der eigentlich in Caroline verliebt ist, sie aber genau aus diesem Grund hasst und der beste Freund des Opfers, Meredith Blake, der offen in Caroline verliebt ist, stellt das Gift her, mit dem sein Nachbar ermordet wird und macht später Elsa Greer Avancen, außerdem Cecilia Williams die Gouvernante, die ebenfalls Caroline für die Täterin hält, wenngleich sie ihr Verhalten verstehen kann und Angela Warren, die jüngere Schwester von Caroline, die ihre Schwester für unschuldig hält und kurz nach dem Mord ins Internat gesteckt werden sollte.

Nun muss Poirot alle fünf Beteiligten befragen und bittet sie danach auch noch ihm einen Bericht zu übersenden, in dem sie alles niederschreiben sollen, was sie an dem Tag getan hatten und was ihrer Kenntnis nach die anderen machten. Mithilfe der Befragungen und Berichte muss Poirot dann im dritten Teil eine Auflösung der Ereignisse rekonstruieren, wofür er alle Beteiligten zusammenbittet, um seiner Klientin die Wahrheit über den Mord an ihrem Vater zu berichten.

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Rezension: Das unvollendete Bildnis von Agatha Christie

In dem Krimi Das unvollendete Bildnis von Agatha Christie gibt es im Grunde neben der vermeintlichen Mörderin und dem Opfer, fünf weitere Verdächtige, den Detektiv (namentlich Poirot), die Klientin (Carla Lemarchant) und ihren Verlobten. Durch diese sehr geringe Anzahl an wichtigen Figuren, darüber hinaus gibt es nur die Anwälte beziehungsweise einen Sohn und den Polizisten von damals, hat man relativ schnell einen guten Überblick darüber, wer alles der Mörder sein könnte und man kann recht gut stereotype Muster bei den Verdächtigen entdecken.

Normalerweise würde man weder der Schwester noch der Tochter der Verdächtigen glauben, wenn diese sagen, dass die Betreffende unschuldig ist und dennoch tut es Poirot. Man hat den Verdacht, dass das Vertrauen der Tochter in die Mutter, die sie eigentlich kaum kannte, relativ groß ist, außerdem gibt sie selbst an, dass sie nur wissen möchte, ob es ihre Mutter war oder nicht. Sie kann offenbar mit beidem Leben, nur mit der Ungewissheit nicht mehr.

Aber nun zu der Erzähltechnik des Krimis: Poirot wird von der Tochter in den Fall eingeführt und holt sich erst einmal ein paar allgemeine Informationen über den Jahre zurückliegenden Fall ein. Danach geht er zu den Verdächtigen und befragt diese. Nachdem er alle Verdächtigen kennen gelernt hat, wartet er auf die fünf Berichte, liest diese und kommt aufgrund der in diesen zehn Gesprächen und Briefen versteckten Hinweise auf den Täter. Durch diese Technik bekommt der Leser die gleiche Geschichte mehr oder weniger zehn Mal präsentiert (und natürlich noch ein abschließendes Mal wenn Poirot den Fall aufklärt). Durch die Wiederholung kommen immer mehr Details des Falles ans Tageslicht, doch leider wirkt das Ganze auch sehr repetitiv. Immer wieder bekommt man die gleiche Geschichte erzählt; immerhin ab und zu mit neuen Details und aus einem anderen Blickwinkel. Das wirkte für mich dennoch irgendwann einfach nur noch langweilig. Zum Glück waren es nicht mehr Verdächtige.

Insgesamt ist Das unvollendete Bildnis von Agatha Christie gerade wegen dieser Erzähltechnik bestimmt mal etwas anderes, dennoch fand ich den Roman langweilig und mir fehlte so ein bisschen das ermittelnde Element darin, denn schließlich liest Poirot die meiste Zeit irgendwelche Berichte. Deshalb kann ich den Krimi nur sehr eingeschränkt weiterempfehlen, aber psychologisch ist er gar nicht mal schlecht gemacht und man tappt als mitratender Leser auch ziemlich lange im Dunkeln (fand ich zumindest).