Adventskalender 2020 ·Die erstaunliche Wirkung von Glück von S. Rehlein

Rezension: Die erstaunliche Wirkung von Glück von Susann Rehlein

Die erstaunliche Wirkung von Glück von Susann Rehlein befasst sich mit einer jungen Frau, die gedrängt wird, ihr eigenes Glück zu finden.

Ich weiß nicht genau, was ich mir von dem Roman eigentlich versprochen hatte, aber das mit Sicherheit nicht. Zu den Figuren: Dorle ist mir gänzlich unsympathisch gewesen. Ihre Zurückhaltung ist für den Roman sicherlich notwendig, aber dass sie sich immer wieder wie ein Fußabtretet verhält, fand ich dann doch sehr merkwürdig und das wird leider im ganzen Roman nicht besser. Sie ist am Anfang die Concierge und macht das gerne, weil sie den Leuten gerne helfen möchte. Da macht es ihr auch nichts aus, wenn sie aus Versehen was kaputt macht (die Klingel, bei der sie schon vorsichtig war beim Reinigen) oder wenn sie angeschrien wird, weil sie etwas falsch gemacht hat (die Pflanzen, die sie einem der Hausbewohner wohl kaputt gemacht hat). Aber als sie dann endlich „anfangen soll zu leben“ wird sie von Frau Sonne und Frau Schräubchen ja genauso schlecht behandelt. Sie fangen erst an, sie aus dem Schneckenhaus herauszuholen, und dann behandelt Frau Sonne sie immer schlechter, Frau Schräubchen ist total von oben herab, verbietet ihr etwas in der Wohnung zu machen und beschwert sich in der Konsequenz, dass sie nun alles machen muss, außerdem finde ich es nicht lustig, dass man Dorle mit zwei für Geld engagierten Männern ausgehen lässt (ich weiß leider nicht wie ich das besser ausdrücken soll) und sie schreibt Dorle, dass diese Joe von ihrer Beobachtung auf dem Dachboden nichts erzählen soll. Welchen Zweck soll das bitte haben, außer Dorle zu quälen? Und die spielt dabei auch noch schön mit. Am Ende hat nicht viel gefehlt und Dorle hätte alles verloren: Ihre Wohnung, ihren Freund, die Freundschaften, die sie im Haus geschlossen hatte, ihr Selbstvertrauen, und ihren Job.

Es ist oben schon angeklungen, weil es eng mit den Charakteren verbunden ist: Die Geschichte ist grauenvoll. Okay, eine junge Frau leidet an Depressionen und gewissen Ängsten und soll nun aus ihrem Schneckenhaus hervorgelockt werden. So weit so löblich. Dass Frau Sonne es sehr seltsam anstellt, Dorle endlich das Leben zu zeigen, hatte ich ja oben schon erwähnt. Aber auch die Sachen, die sie sie machen lässt, fand ich irgendwie nur so mittelsinnvoll: Dorle soll sich bei der Massage berühren lassen. Okay, einverstanden, dass das sinnvoll ist für jemanden, der Angst hat, sich berühren zu lassen. Sie soll zum Sport gehen? Ja, Sport tut gut, aber muss Frau Sonne vorgeben, was Dorle zu machen hat? Eigentlich nicht, aber nur so funktioniert ja die Geschichte, dass Dorle die Sachen für Frau Sonne erledigen soll. Warum schickt Frau Sonne Dorle nicht zum Kochkurs? Da muss sie mit anderen kommunizieren und kommt unter Leute. Nein, stattdessen soll sie mit zwei käuflichen Männern ausgehen. Was soll da bitte der Sinn dahinter sein, außer, dass sie Dorle berühren und sie küssen? Das hätte mit Sicherheit auch Joe übernommen, der in die Pläne zumindest so halb auch eingeweiht war. Und überhaupt: Die abscheulich haben sich Frau Sonne und Frau Schräubchen ihm gegenüber gezeigt? Sie benutzen ihn die ganze Zeit nur für ihre seltsamen Spielchen, aber er scheint massiv unter dem die ganze Zeit immer angespannter werdenden Verhältnis zu Dorle zu leiden. Interessiert es jemanden? Bekommt es überhaupt jemand mit? Nein. Ganz allgemein scheint Frau Sonne immer weiter in den Hintergrund zu rücken während des ganzen Romans und hat überhaupt kein Auge auf Dorle. Dabei wäre dieser direkte Umgang gerade wichtig, damit sie merkt was sie bei Dorle anrichtet und was vielleicht nicht die gewünschte Wirkung hat. Interessiert sie sich dafür? Nein, wäre ja sicherlich zu viel Arbeit. Und dann noch die Besuche bei dieser Psycho-Tante im Altenheim. Was hat sich Frau Sonn bloß dabei gedacht, Dorle zu einer Frau ins Altenheim zu schicken, die sie beim ersten Treffen massiv beleidigt und runterputzt und dann auch noch die Arroganz hat zu glauben, dass Dorle sie auch nur noch einmal freiwillig besuchen würde?

Ihr merkt, dass ich von dem Buch so gar nicht angetan bin, deshalb kann ich den Roman Die erstaunliche Wirkung von Glück von Susann Rehlein so gar nicht empfehlen und ich verstehe auch nicht, wieso dieser Roman so viele positive Rezensionen erhalten hat. Von Glück habe ich im ganzen Roman eigentlich kaum was gespürt.

Adventskalender 2020 ·Mistelzweigzauber von S. Moorcroft

Inhaltsangabe: Mistelzweigzauber von Sue Moorcroft

In dem Liebesroman Mistelzweigzauber von Sue Moorcroft geht es um Alexia und Ben, die sich nach und nach näher kommen. Im September steigt die große Abrissparty des Angel, einem alten Pub in Middledip. Nachdem alle beweglichen und potenziell zerstörbaren Teile aus dem Pub entfernt wurden, feiern Alexia, Jodie, ihr Freund Shane und viele andere aus dem Dorf, dass der Abriss so leicht vonstattengegangen ist und nun die dringend benötigte Renovierung stattfinden kann. Mit gemeinsamen Kräften möchte Alexia aus dem historischen Pub ein Gemeindecafé errichten, das allen in der Gemeinde für Treffen und Feiern zur Verfügung steht.

Alexia kommt gerade aus einer schwierigen Beziehung geht mit dem seltsamen, aber sehr netten Ben, dem Neffen des Besitzers des neuen Gemeindecafés nachhause. Sie kommen sich näher und verbringen eine schöne Nacht miteinander, aber am nächsten Tag ist Ben plötzlich verschwunden. Alexia geht davon aus, dass Ben früh arbeiten musste und so macht sie sich auf den Heimweg. Als sie wenig später einen Anruf erhält, ist ihre gute Stimmung endgültig verflogen, denn es ist Gabe, der Besitzer des Gemeindescafés der fragt, wo die Dachschindeln hin sind. Alexia geht beim Pub vorbei und muss zusammen mit Gabe und Ben feststellen, dass alles von Wert gestohlen wurde. Erst später erfahren sie, dass auch ihr gesamtes Kapital für die Renovierung sowie Shane und dessen Kumpel, eigentlich die beiden Handwerker für das Projekt, verschwunden sind. Jodie ist vollkommen aufgelöst, denn schließlich hat sie Shane geliebt, aber außerdem hat er auch ihr Privatvermögen mitgenommen.

Zwischen Jodie und Alexia kommt es zum Streit und auch Ben kann nicht an sich halten. Hat Alexia ihm ihre Nähe nur vorgespielt und eigentlich mit den Dieben kollaboriert? Gabe verneint das vehement und redet seinem Neffen ins Gewissen, dass er sich gefälligst entschuldigen soll. In den folgenden Wochen arbeiten Alexia, Ben und Gabe wie verrückt daran, das Café auch ohne die Spenden und vor allem ohne die historischen Teile fertigzustellen. Unerwartet bekommen sie Hilfe von Carola, die sich erst darüber auslässt, dass sie es überhaupt nicht gut findet, dass man das Geld der Dorfbewohner verloren hat, die dann aber wenig später tatkräftig mit anpackt und sämtlichen gespendeten Stühle und Tische aufmöbelt.

Natürlich passieren noch viele andere Sachen, denn abgesehen von den Renovierungen steht das Leben natürlich nicht still: Alexia hatte eigentlich ein super Jobangebot, das ihr allerdings wieder genommen wird, als sie ihrem ehemaligen Kommilitonen gegenüber eingesteht, dass sie von ihren Handwerkern bestohlen wurde, sie versucht nun sich mit weiteren Aufträgen über Wasser zu halten, tritt im Radio und im Fernsehen auf, um auf der einen Seite andere vor solchen Betrügern zu warnen und auf der anderen Seite vielleicht ihre Betrüger zu fassen. Jodie offenbart Alexia, dass sie so fassungslos war, weil sie ihrem Freund kurz vor seinem Betrug gesagt hatte, dass sie schwanger ist, aber Alexia hat das Vertrauen in ihre Freundschaft verloren. Und Ben muss sich um eine kleine, lahme Eule kümmern, rettet ertrinkende Babykätzchen aus einem eiskalten See, muss den Familiengeheimnissen auf den Grund kommen (warum hat seine jetzige Ex-Frau und damalige Ehefrau mit seinem Bruder in einem Unfallwagen gesessen und warum haben seine Eltern seinen Bruder lieber als ihn und was genau hat sein Bruder ihm zu sagen, wenn er ihm aus dem Gefängnis schreibt). Und gemeinsam müssen sich Alexia und Ben um Gabe kümmern und ihre Gefühle für einander entdecken.

Ohne Geld und Material wird aber auch die Renovierung eng und so müssen sie gemeinsam an einem Strang ziehen, damit das Versprechen wahr werden kann: Die Eröffnung pünktlich zu Weihnachten!

Adventskalender 2020 ·Mistelzweigzauber von S. Moorcroft

Rezension: Mistelzweigzauber von Sue Moorcroft

Fangen wir mit den beiden Hauptcharakteren Alexia und Ben an. Beide werden von sehr interessanten Fragen umgetrieben. Beispielsweise möchte Ben wissen, was für eine Frau seine Ex-Frau war und er will wissen, was es mit dem Geheimnis seines Bruders und dem Verhalten seiner Eltern auf sich hat. Auch Alexia hat diverse Dinge, die sie beschäftigen: Die Renovierung des Angel, ihre Freundschaft zu Jodie und der neue Job, den sie so gerne angetreten hätten. Diese Dinge sorgen dafür, dass die Beziehung nicht bloß eine zweidimensionale Sache bleibt, weil es außer den beiden Protagonisten nur ein paar andere Figuren gibt, die ab und zu etwas sagen, sondern weil diese Ereignisse in die Beziehung hineintragen, Auswirkungen auf die Gefühle und Gedanken der Figuren haben und sie so viel mehr Tiefe bekommen.

Die Geschichte selbst besteht aus unglaublich vielen Facetten, wie man ja auch an meiner Inhaltsangabe sieht. Alle diese Facetten machen den Roman relativ komplex, aber sie sorgen auch dafür, dass die Spannung erhalten bleibt. Ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass die Handlung viel zu komplex und somit unverständlich ist. Gleichzeitig zieht sich die Handlung auch nicht, weil es Moorcroft sehr gekonnt hinkriegt ihre Spannungsbögen richtig zu setzen. So kommt beispielsweise schon relativ früh heraus, dass Jodie schwanger ist und deshalb so am Boden zerstört ist, andere Dinge kommen erst ziemlich am Ende heraus, obwohl am Anfang des Romans des Spannungsbogen schon eröffnet wurde. Und dann verteilen sich die Spannungsbögen auch gut beispielsweise Gabes Krankheit oder Carolas Geheimnis. Da diese Sachen erst recht weit in der Mitte oder am Ende passieren, bleibt auch hier die Spannung erhalten.

Auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Alexia und Ben hat mir gut gefallen. Am Anfang fallen die beiden mit der Tür ins Haus und verbringen die erste Nacht, die sie sich kennen, direkt miteinander. Doch danach entspinnt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, man bekommt als Leser auch häufig den Eindruck, dass die beiden auch ganz normale Gespräche miteinander führen. Natürlich kommt auch die körperliche Komponente nicht zu kurz, aber dennoch steht die Zweisamkeit und die Verbundenheit hier ziemlich im Vordergrund, weil Alexia Ben beispielsweise regelmäßig fragt wie es ihm mit dem Verhalten seiner Familie oder seiner Ex-Frau geht und er fragt sie, wie sie damit umgeht, dass ihr das Jobangebot wieder entzogen wurde. Und da die Handlung des Romans sich auch über drei bis vier Monate erstreckt, haben die beiden auch Gelegenheit sich kennenzulernen. Das wirkt deutlich realistischer als in vielen anderen Romanen des Genres.

Insgesamt hatte ich einen durchweg positiven Eindruck von diesem wunderschönen Liebesroman. Mistelzweigzauber bringt vielleicht wenig weihnachtliche Komponenten mit hinein, aber für mich war er alleine deshalb schon so weihnachtlich, weil sich die Dorfbewohner gegenseitig unterstützen und weil Alexia ihr Versprechen gerne halten würde. Mistelzweigzauber von Sue Moorcroft ist ein wirklich schöner, weihnachtlicher Liebesroman, den ich gerne weiterempfehlen.

Adventskalender 2020 ·Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle

Die Geschichte Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle, auch häufig unter dem Titel Silberstern oder Silberpfeil veröffentlicht, behandelt die Entführung des Pferdes Silberstrahl und die Ermordung des Trainers John Straker.

Eines Nachts verschwindet das Pferd aus seinem Stall und der Trainer John Straker wird erschlagen im Moor aufgefunden. Das Pferd bleibt verschwunden, doch schnell taucht ein erster Verdächtiger auf: Fitzroy Simpson war am Tag zuvor auf dem Landgut gesehen worden, außerdem hält der Trainer seine Krawatte in der Hand und so vermutet man, dass er ihm diese während des Mordes abgenommen hat. Als die Ermittlungen ins Stocken geraten, werden Holmes und Watson hinzugezogen. Inspektor Gregory weiß nicht wer der Täter ist, aber es ist der Besitzer des Pferdes Colonel Ross, der die beiden engagiert. Man findet bei John Straker neben der Krawatte auch noch ein kleines Messerchen, mit dem er sich unmöglich verteidigt haben kann, außerdem findet man eine hohe Rechnung und einer der Stallknechte wird mithilfe des Abendessens betäubt. Schnell findet Holmes heraus, dass dies alles nicht von Fitzroy Simpson eingefädelt worden sein kann. Im Moor finden Holmes und Watson die Spuren von Silberstrahl, der hin und hergeführt wurde. Wie sich herausstellt, hatte der Pferdebesitzer, der den zweiten Favoriten für das nächste Rennen stellte, Silberstrahl im Wald gefunden und sich, nachdem er ihn erst zurückbringen wollte, eines besseren besonnen und ihn nachhause gebracht. Als ihm Holmes Angst macht, bringt er das Tier zum Rennen und so deckt sich der Fall auf: Holmes entlarvt den wahren Täter und findet sogar heraus, warum er es getan hat und was hinter dieser ominösen Rechnung steckt.

Sherlock Holmes wird zu einem Mord gerufen, den die Polizei vorher nicht lösen konnte und soll nun herausfinden, was geschehen ist. Die Beweislage ist, wie oben beschrieben, ziemlich dürftig, aber natürlich findet er dennoch die Fußspuren des Pferdes und von Silas Brown, was es ihm erlaubt, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Er schließt daraus, dass Silas Brown das Pferd fand, er erst zurückbringen wollte und es dann aber doch in die eigenen Stallungen führt. Da er dies so ausführlich beschreiben kann, fürchtet Silas Brown, dass er beobachtet wurde und bringt das Pferd zurück. Nachdem er die Entführung des Pferdes soweit geklärt hat, ist für ihn auch klar, wer den Mann erschlagen haben muss.

Mich störte diese Selbstverständlichkeit mit der Holmes mal wieder einen Fall löst. Und es wirkte wie immer so mysteriös, so als gibt es keine andere Möglichkeit, was geschehen sein könnte. Holmes fährt sogar zwischenzeitlich zurück nachhause, weil er sich so sicher fühlt. Das machte ihn für mich nicht gerade zu einem sympathischen Charakter.

Insgesamt ist mir Sherlock Holmes zwar keine besonders sympathische Figur, wenngleich er natürlich dennoch ein sehr guter Detektiv ist und aus wenigen Details seine Schlussfolgerungen zu ziehen vermag. Man kann sich also mit Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle durchaus mal die Zeit vertreiben, wenngleich es sich nicht um die beste Geschichte des Autors handelt.

Adventskalender 2020 ·Verschollen in der Pyramide von R. Naumann

Inhaltsangabe: Verschollen in der Pyramide von Rosa Naumann

In dem Kinderbuch Verschollen in der Pyramide von Rosa Naumann geht es um Setha und Meketre, die ineinander verliebt und im gleichen Dorf aufgewachsen sind. Sethas Vater arbeitet am Bau der Pyramide mit und wohnt deshalb im nahegelegenen Pyramidendorf, wo Setha und ihr Freund ihn regelmäßig besuchen, um ihm Vorräte zu bringen. Als sie das vorletzte Mal vor der Fertigstellung der Pyramide ins Pyramidendorf kommen, erfahren sie, dass einer der Arbeiter in der Pyramide verschwunden ist und auch von den Sapern nicht gefunden werden konnten.

Setha lässt ihren Vater unruhig zurück, muss aber zurück zu ihren Geschwistern, da ihr jüngster Bruder auch sehr krank ist und sich häufig übergeben muss. Am Tag des Weihefestes ist Setha sehr aufgeregt, doch ihr Vater kommt nicht mit den anderen Arbeiterin aus der Pyramide um seine Belohnung er halten. Setha beauftragt Paheri nach ihrem Vater zu suchen, doch die Saper finden ihn nicht. Setha und Meketre kehren zurück in ihr Dorf, aber nur um dort neue Kräfte zu sammeln, um nach ihrem Vater suchen zu können.

Hatu, Sethas jüngster Bruder, ist unterdessen noch kränker geworden und so muss sie sich erst einmal um ihn kümmern, bevor sie ihren Vater suchen gehen kann. Gemeinsam mit Meketre schmiedet Setha einen Plan um Mahnud, Sethas Vater endlich zu finden: Sie müssen die Wächter am Eingang überzeugen, sie in die Pyramide zu lassen. Um eingelassen zu werden, wollen sie die beiden mit den Tauschmitteln, die Mahnud während des Pyramidenbaus verdient hat, bestechen. Die beiden lassen sich überzeugen und Setha und Meketre sind gut vorbereitet: Sie haben Proviant, Fackeln und einen Stift zur Markierung des Wegs eingepackt. Als bei einem Unfall aber ihre Öllampe und die Fackel verlöschen und ihre Wasservorräte zu Bruch gehen, wird es brenzlig für sie.

Glücklicherweise sieht Setha Heqanacht, bei dem sie schon die ganze Zeit ahnt, dass er Böses im Schilde führt, wie er durch eine Geheimtür verschwindet. Als er mit vielen Priestern wieder herauskommt, schleichen sich Setha und Meketre in die geheime Kammer, in der sie einen Tümpel mit einem Krokodil entdecken. Dort belauschen sie die Verräter bei ihrem nächsten Treffen: Es soll bald ein Kind dem Gott Sobek (mit Krokodilkörper) also sprich dem Krokodil geopfert werden, da das andere Menschenopfer dem Gott nicht ausgereicht hat. Heqanacht hat Hata schon früher etwas zu Essen gegeben, das ihn krank gemacht hat und so fürchtet Setha, dass es Hatu deshalb in letzter Zeit noch schlechter geht.

Nun müssen sie aber erst einmal Mahnud befreien. Ob das rechtzeitig gelingt? Ob sie es dann auch noch schaffen Hatu zu retten?

Adventskalender 2020 ·Verschollen in der Pyramide von R. Naumann

Rezension: Verschollen in der Pyramide von Rosa Naumann

Das Buch Verschollen in der Pyramide von Rosa Naumann ist ab 10 Jahren und hat etwas über 100 Seiten (je nach dem, ob man auch den Anhang lesen möchte).

Ich persönlich finde den Anhang sehr hilfreich, da neben einer Zeichnung auch noch einige wichtige Fakten aus dem alten Ägypten erklärt werden, sodass man auch ohne großes Hintergrundwissen der Geschichte folgen kann. Solche Anhänge kenne ich auch aus den Büchern von Gabriele Beyerlein und so bin ich sehr froh, so etwas auch hier zu finden, denn ich mag die Bücher von Beyerlein auch deshalb sehr gerne.

Die Geschichte an sich ist recht spannend-krimiartig, beschäftigt sich aber auch mit den Themen Liebe, Freundschaft und Familie. Als Leserin bekommt man einen Einblick in die damaligen Gesellschaftsstrukturen, aber auch darin, wie Familie damals funktioniert hat. Es war wichtig, dass die Kinder schon im Haushalt mitgeholfen haben und als Sethas Vater beispielsweise ins Pyramidendorf zieht, um dort an der Pyramide mitzuarbeiten scheinen seine Kinder auf sich selbst gestellt zu sein. Ich vermute mal, dass Setha die Älteste ist (mit 13 Jahren) und ihr jüngster Bruder, Hatu, gerade erst 3 Jahre alt ist. Natürlich achtet auch das Dorf auf die Kinder, und auch eine befreundete Witwe hat ein Auge auf die Kinder, aber diese sind dennoch die meiste Zeit auf sich gestellt, was diese auch ziemlich gut hinkriegen. Außerdem erfährt man etwas über das Essen der alten Ägypter, deren Häuser, über Kleidung, Transport von Waren, den Tauschhandel und über ihren Glauben und Amulette.

Die Charaktere sind natürlich auch aufgrund der Kürze des Buches alle relativ flach gezeichnet und wie es häufig bei Kinderbüchern ist: Gut und böse ist relativ klar abgegrenzt. Die Protagonisten sind natürlich die Guten, und dann gibt es noch die Bösen, die man daran erkennt, dass sie Menschen einem Gott opfern, was man als Ägypter eigentlich nicht macht, außerdem wollen sie extra ein Kind ermorden, damit sie es opfern können.

Hieraus entspringt auch der große Zufall, der die Geschichte erst möglich macht: Einer der Bösewichte ist der Nachbar von Setha. Weil sie ihn kennt und von Anfang an nicht mag, hält sie sein Verhalten für verdächtig. Da er der Nachbar ist, weiß er, dass Sethas jüngster Bruder häufig rumkränkelt, und dass dieser entsprechend ein leichtes Opfer für den Anschlag wäre, denn niemand wäre überrascht, wenn der Kleine plötzlich sterben würde. Gleichzeitig ist das andere Menschenopfer, das die Bösen noch machen wollen, Sethas Vater, den die Bösen gefangen halten, da dieser sich nach dem Verschwundenen umgesehen hat. Vor einigen Wochen ist einer der Arbeiter in der Pyramide verschwunden. Zufällig ist der Verschwundene ein guter Freund von Mahnud, sodass dieser sich natürlich nach seinem Freund umsieht. Weil er sich umsieht, wird er ebenfalls gefangen genommen und soll nun geopfert werden. Mir waren das einfach zu viele Zufälle, weil das Buch natürlich nur deshalb funktioniert, weil alle Opfer im Umkreis von Sethas Familie zu finden sind und sie die Zusammenhänge sonst auch nicht verstehen würde.

Davon abgesehen hat mir Verschollen in der Pyramide von Rosa Naumann sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf die weiteren Bücher der Autorin, wenngleich diese nicht in einer Reihe erschienen sind, sondern zu verschiedenen Zeiten im alten Ägypten spielen.

Adventskalender 2020 ·Nur die Küsse zählen von S. Mallery

Inhaltsangabe: Nur die Küsse zählen von Susan Mallery

Dakota Hendrix lebt schon seit ihrer Geburt in dem kleinen Städtchen Fool’s Gold, und auch ihre Familie, ihre Mutter, ihr ältester Bruder, und ihre beiden Schwestern, leben dort. Dakota ist Kinderpsychologin wurde von der Bürgermeisterin Marsha aber gebeten, bei den Dreharbeiten einer Datingshow zu helfen. Dakota soll darauf achten, dass der Stadt durch die Dreharbeiten kein Schaden entsteht.

Finn Andersson lebt mit seinen Brüdern in South Salmon, Alaska bis die 21-jährigen Zwillinge ihm schreiben, dass sie ihr Studium im letzten Semester abbrechen um an einer Datingshow teilzunehmen. Das kann Finn aber nicht zulassen, denn schließlich hat er die Verantwortung für seine beiden Brüder übernommen als ihre Eltern vor etlichen Jahren starben. Er hatte gehofft, sie nur noch durchs Studium kriegen zu müssen und danach endlich wieder seine Ruhe haben zu können.

Aber natürlich kommt es dazu nicht, denn die beiden Zwillingsbrüder, Sasha und Stephen, weigern sich, die Datingshow aufzugeben und das College weiter zu besuchen. Stephen möchte Ingenieur werden und hat Angst seinem Bruder zu sagen, dass er die Frachtfirma in Alaska nicht übernehmen möchte. Sasha liebt das Rampenlicht und er möchte berühmt werden. Während seine Partnerin genauso denkt und die beiden Pläne schmieden, während der Show von irgendwelchen Agenten entdeckt zu werden, verliebt sich Stephen in seine fast zehn Jahre ältere Partnerin bei der Datingshow. Aurelia meint, dass Stephen viel zu jung für sie sei, dabei hatte sie doch so sehr auf eine Chance für die Liebe durch die Datingshow gehofft. Offenbar hält das Schicksal aber nicht viel vom Alter, denn sie verliebt sich auch in ihn. Aber alle um sie herum finden den Altersunterschied zu groß. Kann ihre Liebe dieses Problem meistern?

Dakota und Finn fühlen sich unrettbar zueinander hingezogen. Da für beide klar ist, dass ihre Beziehung endet sobald Finn nach dem Ende der Show in ein paar Wochen zurück nach Alaska geht, beginnen die beiden eine lockere Affäre. Da Dakota von ihrer Frauenärztin vor einigen Monaten erfahren hat, dass sie nicht schwanger werden kann, macht sie sich auch keine Sorgen, dass diese Affäre folgenschwer sein könnte. Außerdem hat sie sich längst bei einer Adoptionsagentur beworben, die die Waisenkinder aus Kasachstan und auch Singleeltern Kinder vermittelt. Als sie eines Abends einen Anruf bekommt, dass sie ein sechs Monate altes Mädchen bekommen könnte, ist sie außer sich vor Freude. Und Finn zeigt sich auch noch als guter Freund: Er fliegt sie in einer kleinen Maschine von Fool’s Gold nach Los Angeles und zurück, um Hannah dort abzuholen. Außerdem hilft er ihr in der ersten Nacht mit der Kleinen und kümmert sich auch sonst hier und da um sie.

Finn fühlt sich immer mehr zu Dakota hingezogen und spürt, dass sie etwas besonderes ist, aber er hatte sich geschworen sich nicht wieder irgendwelche Verantwortung aufbürden zu lassen. Dakota hingegen verliebt sich auch in Finn, der nicht nur ein guter Freund ist, sondern auch sehr kinderfreundlich. Doch alles ändert sich als Dakota von ihrer Frauenärztin die Bestätigung bekommt: Das Unmögliche ist möglich geworden. Dakota ist tatsächlich schwanger.

Finn verlässt nach dem Ende der Show Fool’s Gold, denn er will mit ihr und dem Kind nichts zu tun haben. Zurück in Alaska nimmt er seine Arbeit in der Frachtfirma wieder auf und rettet bei einem der Flüge einem Kind das Leben, weil es dringend zum Arzt muss, sich aber bei dem Sturm niemand raus und in die Luft traut…

Adventskalender 2020 ·Nur die Küsse zählen von S. Mallery

Rezension: Nur die Küsse zählen von Susan Mallery

Bei dem Band, Nur die Küsse zählen von Susan Mallery, handelt es sich um den vierten Band der Fool’s Gold-Reihe aber wie so häufig bei Liebesromanen gilt auch hier, dass man die anderen Bände nicht vorher gelesen haben muss.

Ich habe den Roman innerhalb von wenigen Tagen verschlungen, weil ich ihn einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Geschichte um Dakota und Finn ist recht spannend und einfallsreich und entsprich nicht dem Üblichen. Mir ging zwar irgendwann Finns ständiges „meine Brüder dürfen das College nicht abbrechen, sonst habe ich versagt. Zur Not entführe ich sie und kette sie im College an ihren Stühlen fest“ auf die Nerven, aber abgesehen davon, war der Charakter durchaus sympathisch. Natürlich fand ich es nicht so toll, dass er Dakota und das gemeinsame Kind im Stich lässt, aber auch das ist ja irgendwie verständlich bei seiner Lebensgeschichte. Dakota ist eine nette, recht ruhige junge Frau. Selbstbewusst und gut in ihrem Job wirkte sie unglaublich sympathisch. Nachdem Finn zurück nach Alaska gegangen ist und Dakota darunter leidet, ihn verloren zu haben, beschließt sich (nach dem guten Zureden ihrer Schwestern) nach Alaska zu fliegen und um Finn zu kämpfen. Dieser Kampfgeist und die Entschlossenheit für das eigene Glück einzustehen hat mir gut gefallen, weil ich auch schon ganz andere Frauenfiguren kennengelernt habe.

Auch dass Finn sowieso schon darüber nachdenkt, ob er wirklich für immer die Frachtfirma seiner Familie behalten möchte oder ob er nicht lieber etwas anderes machen würde, fand ich toll. Endlich musste eine Protagonistin mal nicht ihr gesamtes Leben aufgeben um zum Mann zu ziehen und somit auf all ihre Träume verzichten, weil die ja alle nicht so wichtig sind, wenn sie nur mit ihm zusammen sein kann. Es ist ja hier auch nicht so, dass Finn komplett entwurzelt wird. Seine Brüder bleiben wahrscheinlich beide mittelfristig in Kalifornien, er mag die Stadt und hat schon Pläne was er dort beruflich aufziehen möchte.

Ich fand es auch ganz lustig, dass man in der Stadt immer wieder offenbar bekannte Gesichter getroffen hat. Liz und Charity treffen auf Nevada, Montana und Dakota in einer Bar und grüßen einander. Ich fand dieses Zusammentreffen so seltsam, dass ich herausgefunden habe, dass Charity und Liz die Protagonistinnen in den ersten beiden Bänden waren. Auch Pia, die im vierten Fool’s Gold immer noch schwanger herumläuft, ist bereits Protagonistin gewesen. Ich kannte zwar die Bände nicht, aber ich vermute mal, dass es richtig cool ist, wenn man sich als Leserin immer wieder in einer Stadt bewegt, wo man mit jedem Band mehr Charaktere kennenlernt. Bei Rachel Gibson gibt es auch solche Reihen, die in einer Stadt spielen und dort hatte ich bisher selten das Gefühl, dass bekannte Figuren noch einmal auftreten und die Leserin durch die verschiedenen Bände der Stadt begleiten. Deshalb ist es mir bei Susan Mallery so positiv aufgefallen.

Weil mir am Cover wieder etwas aufgefallen ist, möchte ich es hier kurz erwähnen. Ich habe die Ausgabe von 2013, auf der eine brünette Frau inmitten von Hügeln mit einem Walkie Talkie in der Hand steht. Ob mir der Stil des Covers gefällt sei mal dahingestellt. Das ist sicherlich auch individuelle Geschmackssache. Aber die Frau auf dem Cover ist brünett. Dakota ist sehr stolz auf ihre blonden Haare. Blond. Nicht brünett.

Ich hatte es ja oben schon geschrieben: Ich mochte auch alle anderen Figuren sehr gerne und habe auch mit Stephen und Aurelia mitgefiebert wie es mit ihrer Beziehung ausgeht. Der Wechsel zu den beiden hat die Handlung noch einmal aufgelockert und ich habe mich jedes Mal gefreut von den beiden zu lesen. Auch die anderen Stadtbewohner sind wirklich nett, häufig sympathisch und auch Dakotas Familie wirkte sehr herzlich, wenngleich ich es schade fand, dass ihre Brüder kaum mal erwähnt wurden aber allesamt nicht vorkamen. In dem Band wird auch ein bisschen das Leben der Schwestern beleuchtet und der berufliche Umschwung von Nevada als Vorbereitung auf den sechsten Band, wie ich vermute, vorbereitet.

Ich habe bisher ja nicht so viele Bände gelesen aus der Fool’s Gold-Reihe, aber ich habe so das Gefühl, dass man die Bände innerhalb der Reihe – zumindest teilweise – noch einmal in kleinere „Reihen“ zusammenfassen kann. Ich vermute mal, dass man zumindest die drei Bände um die drei Schwestern Nevada (Band 6), Montana (Band 5) und Dakota (Band 4) nochmal als Trilogie zusammenfassen könnte. Mal sehen, ob ich mit meiner Vermutung recht habe.

Insgesamt hat mir Nur die Küsse zählen von Susan Mallery wirklich gut gefallen und ich bin so gespannt, dass ich direkt weiterlesen möchte in der Reihe. Von mir gibt es also eine klare Empfehlung für diesen Liebesroman.

Adventskalender 2020 ·Mord auf dem Golfplatz von A. Christie

Inhaltsangabe: Mord auf dem Golfplatz von Agatha Christie

Captain Hastings ist gerade erst wieder in London angekommen als sein Freund ein Brief aus Frankreich erreicht: Hercules Poirot wird gebeten sofort nach Merlinville-sur-mer zu kommen, da der Briefschreiber Poirot engagieren möchte, da es offenbar jemand auf sein Leben abgesehen hat. Poirot und Hastings fahren sofort los, erscheinen aber erst in Merlinville als Paul Renauld bereits ermordet auf seinem Golfplatz aufgefunden wurde.

Monsieur Hautet, der Untersuchungsrichter, und Lucien Bex, der Polizeikommissar, sind bereits mitten in den Ermittlungen, aber da sie bereits von Poirot gehört haben, laden sie ihn ein, ihnen bei den Ermittlungen zu helfen. Neben den Hausangestellten: Françoise Arrielet, Léonie und Denise Oulard werden auch die Familienmitglieder Eloise Renald, seine Frau, und Jack Renauld, der gemeinsame Sohn vernommen. Hinzu kommen als Verdächtige noch Madam Daubreuil und deren Tochter Marthe, da die Mutter eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Mann zu haben scheint und derzeit wohl eine Affäre mit ihm hat. Marthe hat eine Beziehung mit Jack Renauld, der sie auch heiraten möchte.

Neben all diesen Verhören, und teilweise mehrfach stattfindenden Gesprächen, untersucht Poirot natürlich auch den Tatort und das gesamte Anwesen, das Schlafzimmer, aus dem der Verstorbene unter mysteriösen Umständen verschwand, während seine Frau gefesselt zurückblieb. Als dann auch noch Cinderella, die Bekanntschaft Hastings aus dem Zug nach London in Merlinville-sur-mer auftaucht, die Tatwaffe verschwindet und ein zweites Mordopfer auftaucht, ist das Chaos perfekt.

Poirot muss nun nicht nur verhindern, dass der falsche Täter vor Gericht gestellt wird, denn wie sich zeigt, scheint alles gegen Jack Renauld zu sprechen und dieser hat fatalerweise nicht nur kein Alibi, sondern war auch noch heimlich in der Nacht des Mordes in Merlinville, sondern auch alle Verwicklungen auflösen. Das zweite Mordopfer ist offenbar vor Renauld gestorben, der Brieföffner, der die Tatwaffe war, war ein Andenken an den Krieg, aber Jack hatte nicht nur sich selbst eines mitgebracht und seiner Mutter einen geschenkt, sondern auch seiner Geliebten. Außerdem muss Poirot dringend herausfinden, welche gemeinsame Vergangenheit das Opfer mit Madame Daubreuil hat, denn diese könnte damit auch ein Motiv haben. Und er muss herausfinden, warum ihm der Mordfall so verdammt bekannt vorkommt: Zwei Männer dringen in ein Haus, fesseln die Frau im Schlafzimmer, nehmen den Mann mit, sprechen von einem Geheimnis und ermorden ihn kurz darauf.

Und wären diese ganzen Ablenkungen, Verwicklungen und Verwirrungen nicht furchtbar langweilig, wenn nicht noch ein zweiter Detektiv auf der Bildfläche erschiene, der Poirots Hinweise als Unfug abtut und meint alles besser zu können und dass Poirot vielleicht mal ein guter Detektiv war, inzwischen aber zum alten Eisen gehört? Dem Wichtigtuer wird es der gute, alte Papa Poirot schon zeigen, nicht wahr?

Adventskalender 2020 ·Mord auf dem Golfplatz von A. Christie

Rezension: Mord auf dem Golfplatz von Agatha Christie

Bei Mord auf dem Golfplatz von Agatha Christie handelt es sich um einen der früheren Romane und den zweiten Roman mit Hercule Poirot und Arthur Hastings. Inspektor Japp wird am Anfang kurz erwähnt, hat in dem Krimi aber keine tragende Rolle.

In dem für Christie üblichen recht dünnen Krimi steckt auf jeden Fall viel Spannung drin, dennoch waren es mir parallel zu viele Ungereimtheiten und zu viele Nebenschauplätze (sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne). Klar, bei Christie gibt es immer einige Verwicklungen, sodass die am Anfang recht verworrenen Fäden alle klar und sauber abgetrennt werden und die Lösung des Puzzles ans Tageslicht kommt, aber hier war es mir einfach zwischenzeitlich zu viel, sodass ich zwischendrin wirklich einen Durchhänger hatte und eigentlich nicht weiter lesen wollte. Natürlich habe ich den Krimi dennoch beendet, weil ich unabhängig davon auch wissen wollte, wer der Täter ist.

Wie so oft ist natürlich auch hier der Täter einer der Verdächtigen, wobei ich hierzu sowohl die Familie, die Nachbarn, aber auch die Hausangestellten und sogar die Ex-Freundin von Jack Renauld zählen würde. Obwohl es sich hier nicht um einen klassischen Whodunit handelt, denn die Figuren können sich aus Merlinville wegbewegen, was einige auch tun und so spielt ein kurzer Teil der Handlung auch wieder zurück in London und auch in anderen Teilen Frankreichs, und nach und nach sogar noch Verdächtige hinzukommen, ist doch klar, dass sich der Täter unter diesen Figuren befinden muss.

Lustig fand ich auch wieder, dass Poirot sich wieder so seine Gedanken macht, seinen Freund aber nicht einweiht, was diesen wiederum böse macht. Hastings ist zwischenzeitlich sogar auf der Seite von Maurice Giraud, dem großspurigen Kontrahenten von Poirot, und meint, dass Poirot vielleicht langsam alt wird und möglicherweise nicht mehr so gut kombiniert wie der andere Detektiv. Poirot ist zwar durchaus getroffen von dieser Meinung, lässt sich aber natürlich nicht beirren und kann so Hastings auch wieder relativ schnell auf seine Seite ziehen. Poirot lässt es sich auch nicht nehmen, Giraud unter die Nase zu binden, welche Hinweise er alle als nichtssagend abtut, während sie für Poirot die größte Bedeutung haben. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, wann Poirot schon einmal so einen direkten Gegenspieler als Ermittler bei einem Mordfall hatte, was diesem Krimi eine besondere Würze verleiht.

Was mir an diesem Krimi aber so gar nicht gefallen hat, war das Verhalten von Hastings. Hier als kleines Beispiel ein Zitat „Nun bin ich etwas altmodisch. Mich dünkt, eine Frau sollte vor allem weiblich sein.“ (Seite 11). Es mag sein, dass Christie diese Übertreibung schon damals als solche sah und sie sie ihrem Charakter in den Mund gelegt hat, um deutlich zu machen, dass sie das Verhalten nicht gut fand, oder es entsprach einfach dem damaligen Zeitgeist, aber ich habe diese Sätze direkt am Anfang des Krimis gelesen und hätte ihn beinahe wutschnaubend aus der Hand gelegt. Ich fand Hastings Sätze einfach nur schrecklich. Betrachtet man diese nun im Kontext der Tatsache, dass er dem Mädchen, das diese Sätze spricht später einen Heiratsantrag macht, wollte Christie vielleicht wirklich verdeutlichen, dass das Frauenbild, das manche Männer haben, relativ schnell wandelbar ist (vor allem wenn man bedenkt, dass er zwischenzeitlich noch für eine andere Frau schwärmt und ja auch im ersten Band schon für mindestens eine Frau geschwärmt hat) oder sie wollte eine Entwicklung aufzeigen oder schlichtweg verdeutlichen, dass ein solches Frauenbild veraltet ist. Ich weiß es nicht, aber eine genauere Untersuchung der Entwicklung von Hastings Frauenbild wäre sicherlich interessant.

Alles in allem hat mir Mord auf dem Golfplatz von Agatha Christie nicht so richtig gut gefallen, was aber nicht heißt, dass ich mich nicht auf weitere Bände von ihr freue und diese Krimi nicht auch empfehlen würde.